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Menschenkundig

Anmerkung: Ich dichte gern, deshalb gibt’s heute lyrische Kost…

- Anfang -

Der Mensch sei stets des Menschen größter Feind
So spricht er – und es scheint, er könnt’s belegen –
Ein Menschenkundler, der hochweise meint
Die Wahrheit wär ihm voll und ganz gegeben

Gereckten Nackens sich zur Scheibe neigend
Gelingt der Blick vom Schreibtisch in die Gassen
Wo über kaltes Kopfsteinpflaster treibend
Sich scharenweis’ die Menschen anseh’n lassen

Den Menschenkundler kloßt’s in seiner Kehle
Ihm ist, als wär’n sie steinern, doch bekleidet
Mit Blicken, denen jenes Glitzern fehle
Das Statuen und Menschen unterscheidet

Sie tragen Masken: Hohle Emotionen
Von heiter bis verschlossen hin geartet
Auf stumpfe Witze folgen stumpfe Reaktionen
Der Menschenkundler nickt, er hat’s erwartet

Er setzt die Feder aufs Papier und schreibt
Die Stirn zerfurcht von weisen Kummerfalten
»Es ist glasklar; der schlimme Eindruck bleibt
Der Mensch flieht Neues und bleibt stets beim Alten

Der Mensch – er ist des Menschen größter Feind!
Fürwahr! Jedoch sein eig’ner, stur ergrimmt
Und nicht des ander’n, wie’s zuerst erscheint
Er ist es selbst, der sich den Fortschritt nimmt!«

Freudig und trauernd blickt der Menschenkundler
Auf trocknend’ Wahrheit, tintenblaue Schrift
Er staunt und ist sich selbst ein größtes Wunder
Und merkt nicht, wie sein Wort ihn selbst betrifft

Was kritisiert er anderer Gewohnheit!
Gewohnheit, ha! – Sie definiert auch ihn
Ist ihm zu Kopf gestiegen und hat seither Schonzeit
Und menschenkundig wälzt sie sich darin

Ob selbstgefällig oder ob mit Intellekt
Zu kritisieren fällt dem Menschen wahrlich leicht
Doch wer das Fenster nicht als Spiegel auch entdeckt
Sagt oft sehr viel und hat selbst nichts davon erreicht

- ENDE -
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